Simon Japs, Informationsforum RFID

„Vor einigen Jahren stand der Überwachungsaspekt in der Meinung über RFID in den Medien und in der Gesellschaft im Vordergrund. Heute hat sich diese Situation jedoch grundlegend geändert. Immer mehr Menschen sind über RFID informiert und stehen seiner Anwendung positiv gegenüber. Daher folgt als eine wichtige Schlussfolgerung aus unserer Arbeit, dass die RFID-Technologie den Verbrauchern auch Vorteile bringen muss, wenn sie bei Ihnen auf Akzeptanz stoßen soll.“

Simon Japs, Informationsforum RFID

Herr Japs, wie wichtig ist RFID in Deutschland? 

Sehr wichtig. In Deutschland sind nicht nur einige führende Anbieter dieser Technologie beheimatet, sondern auch viele ihrer Nutzer. Zu diesen zählen bedeutende Unternehmen wie die Einzelhandelsgruppe METRO oder das Logistikunternehmen DHL. Zudem führen deutsche Forschungseinrichtungen das Feld mit ihrer Arbeit im Bereich RFID und Internet der Dinge an.

Sind auch kleine und mittelständische Unternehmen an dieser Technologie interessiert?

Wir haben gerade eine Studie durchgeführt, die zu diesem Ergebnis gelangt. 62 % der befragten mittelständischen Unternehmen interessierten sich für die Vorteile dieser Technologie, und 65 % glauben, dass RFID für sie wichtig wird. Leider sind mittelständische Unternehmen bei der tatsächlichen Implementierung von RFID-Technologie im Rückstand. Zur Überbrückung dieser Diskrepanz sind eine bessere Information und Unterstützung erforderlich.

Wie kommt die Technologie in Unternehmen zur Anwendung?

Die meisten Anwendungen beziehen sich auf die Logistik und Kontrolle von Produktionsprozessen. Es gibt jedoch immer mehr Anwendungen, über die Verbraucher direkt mit dieser Technologie in Kontakt kommen. Im Moment sind dies lediglich vereinzelte Punkte auf der RFID-Karte, aber ihre Zahl wächst stetig.

Können Sie uns einige Beispiele nennen?

Auch heute schon nutzen Verbraucher RFID auf vielfältige Weise im Alltag, beispielsweise im Auto, bei Sicherheitsüberprüfungen oder im Fitness-Center. Die meisten Menschen wissen jedoch noch nicht einmal, dass Sie RFID-Technologie verwenden. Wir haben festgestellt, dass die Technologie nur dann als solche wahrgenommen wird, wenn kritische Berichte darüber erscheinen. Wenn eine Anwendung dagegen automatisch und bequem funktioniert, wird die dahinter verborgene RFID-Technologie kaum diskutiert. Hier setzen wir mit unserer Arbeit an: Wir weisen auf die Vorteile von RFID hin, ohne dabei die kritischeren Aspekte unter den Tisch zu kehren.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Wir sind beispielsweise an Veranstaltungen beteiligt, bei denen verschiedene Gruppen - unter anderem Verbraucher, Unternehmen, Politiker und Journalisten - sich über diese Technologie informieren können. Gleichzeitig versuchen wir auch, den Dialog zwischen Kritikern und Befürwortern von RFID zu fördern. Unser Online-Informationsportal http://www.rfidabc.de/ klärt Verbraucher auf intuitive und unterhaltsame Weise über die Bandbreite der möglichen Anwendungen auf.

Trägt Ihre Arbeit bereits erste Früchte?

Vor einigen Jahren stand der Überwachungsaspekt in der Meinung über RFID in den Medien und in der Gesellschaft im Vordergrund. Heute hat sich diese Situation jedoch grundlegend geändert. Immer mehr Menschen sind über RFID informiert und stehen seiner Anwendung positiv gegenüber. Die Vorurteile gegen die Technologie nehmen langsam ab. Gleichzeitig nehmen wir unter den Verbrauchern eine bestimmte Bereitschaft wahr, sich über die Technologie zu informieren. Ihr Interesse wächst, wenn Sie damit in Kontakt kommen. Daher folgt als eine wichtige Schlussfolgerung aus unserer Arbeit, dass die RFID-Technologie den Verbrauchern auch Vorteile bringen muss, wenn sie bei Ihnen auf Akzeptanz stoßen soll.

Im Jahr 2008 haben Sie einen Logo-Wettbewerb veranstaltet. Welches Ziel verfolgte dieser Wettbewerb?

In unserer Gesellschaft ist man sich darüber einig, dass die RFID-Anwendungen, mit denen Verbraucher in direkten Kontakt kommen, entsprechend gekennzeichnet werden sollten. Das Problem ist: Bislang gibt es kein Standard-Logo wie beispielsweise für elektronische Produkt-Codes (EPC). Aus diesem Grund wandten wir uns an Design-Studenten, um die Entwicklung eines universellen RFID-Logos umzusetzen. Der Hauptgrund für diesen Wettbewerb bestand darin, das öffentliche Bewusstsein im Hinblick auf eine notwendige Kennzeichnung zu schärfen und die Diskussion voranzutreiben. 

Organisation

Das Informationsforum RFID betrachtet sich als Plattform für den Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Zu den Mitgliedern zählen branchenführende Unternehmen im Einzelhandel, in der Automobilindustrie und in den Bereichen IT und Dienstleistungen. Gemeinsam setzen Sie sich für den umfassenden Einsatz von Radiofrequenztechnologie für Identifikationszwecke (RFID) ein und fördern die Debatte zur Anwendung dieser Technologie.