
Sanjay E. Sarma, MIT
„Ich erhalte zahlreiche E-Mails aus der ganzen Welt von intelligenten, jungen Studierenden mit interessanten Ideen über den Einsatz von RFID. So wie Computer und das Internet im Grunde demokratisiert sind, ist auch RFID für die Massennutzung vorgesehen. Seine Zukunft wird von jedem einzelnen auf dieser Welt bestimmt, von Menschen in Unternehmen und an Universitäten ebenso wie von den einzelnen Verbrauchern.“
Sanjay E. Sarma, Dozent für Maschinenbau sowie ehemaliger Vorsitzender der Forschung und Mitbegründer des "Auto-ID Center" am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
In welcher Weise befasst sich Ihre Organisation mit RFID-Technologie?
Die Auto-ID Labs sind ein Forschungszweig von EPCglobal. Sie entstanden aus dem Auto-ID Center, einer Gruppe von Forschungsinstitutionen mit Hauptsitz im MIT. Weitere Labore befinden sich an der Cambridge University, der ETH Zürich, der Universität von St. Gallen sowie Fudan University (Schanghai), Keio University (Tokio) und der University of Adelaide (Australien). In den Auto-ID Labs wurden die verschiedenen EPC-Technologien entwickelt, die jetzt von EPCglobal verwaltet werden.
Was hat Sie dazu veranlasst, sich mit RFID-Technologie zu befassen?
Ich beschäftige mich seit 1998 damit. Zu dieser Zeit kosteten passive RFID-Transponder über einen Dollar. Ich begann meine Forschungen mit der Entwicklung von günstigen RFID-Transpondern zusammen mit David Brock, einem meiner Kollegen am MIT. Schließlich beteiligten sich P&G, Gillette und UCC an der Finanzierung des Auto-ID Center, und Kevin Ashton von P&G wurde geschäftsführender Direktor.
Welche Hauptprojekte verfolgen Sie im Bereich RFID?
Im Auto-ID Center begannen wir unsere Forschungen in den Bereichen Hardware, Protokolle, Transponder-Herstellung, Lesegeräte, Software und Anwendungen. Seither haben wir unsere Forschungsgebiete erheblich erweitert.
Welche Vision von RFID haben Sie für die Zukunft?
RFID wird irgendwann aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sein. Wir werden dieser Technologie in der Industrie, zu Hause, im Lebensmittelgeschäft oder im Krankenhaus begegnen - so oft, dass wir sie stillschweigend nutzen. Wenn wir beispielsweise in einigen Jahren Fleisch kaufen, suchen wir nach einer EPC-Kennzeichnung, so wie wir heute nach einer BIO-Kennzeichnung suchen. Die EPC-Kennzeichnung zeigt uns, dass das Fleisch ordnungsgemäß gekühlt gelagert wurde, es keine Rückrufaktion dafür gibt und das Herkunftsland tatsächlich richtig angegeben ist. Auch bei Arzneimitteln halten wir nach ähnlichen Sicherheiten Ausschau. Unsere Autos erkennen unsere Anwesenheit, sodass die Sitze und Temperaturen gemäß unseren Vorlieben eingestellt werden, usw.
Was ist das Internet der Dinge bzw. Internet of Things? Hat der Endverbraucher eine Möglichkeit, aktiv an seiner Entwicklung mitzuwirken?
Das Internet der Dinge bezieht sich auf fortlaufende, automatische Verbindungen zwischen der Welt der Computer und der tatsächlichen Welt auf eine Art und Weise, die bislang nicht möglich war. Dabei dreht sich alles um den Verbraucher, der für die wichtigsten Anwendungen das Verbindungsstück darstellt - von intelligenten Kühlschränken bis hin zu persönlichen Bestandsaufnahme-Systemen.
Wie groß ist das Forschungsinteresse im Bereich RFID? Wächst das Interesse an diesem Thema bei den jungen Akademikern?
Ich erhalte zahlreiche E-Mails aus der ganzen Welt von intelligenten, jungen Studierenden mit interessanten Ideen über den Einsatz von RFID.
Ist RFID ein Elite-Thema oder wird es an den Universitäten demokratisch behandelt?
So wie Computer und das Internet im Grunde demokratisiert sind, ist auch RFID für die Massennutzung vorgesehen. Seine Zukunft wird von jedem einzelnen auf dieser Welt bestimmt, von Menschen in Unternehmen und an Universitäten ebenso wie von den einzelnen Verbrauchern.
Mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, einen Student im ersten Studienjahr davon zu überzeugen, sich mit RFID zu befassen?
Ich würde sagen, dass es sich um eine einfache Modulbau-Technologie handelt und er der nächste Bill Gates werden kann.
Welche Rolle spielen die Hochschulen dabei, das Bewusstsein bezüglich RFID zu schärfen?
Hochschulen haben die Aufgabe, die Werkzeuge zu entwickeln und die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die einer grundlegenden Demokratisierung dieser Technologie im Weg stehen. Sobald wir die „Legosteine“ eindeutig definiert haben, kann die Kreativität weltweit ihren Lauf nehmen.
Das EPCglobal Network wurde am Auto-ID Center des MIT in Cambridge, Massachusetts, gegründet, einer der führenden Universitäten weltweit.
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