Rafi Haladjian, Mitbegründer von Violet

„Wir glauben, dass es ganz im Interesse des Herstellers und Händlers liegt, eine von Offenheit gekennzeichnete Atmosphäre zwischen sich und dem Verbraucher zu schaffen. Eine sogenannte „Blackbox“ gleich welcher Art kann einem Unternehmen nur Schaden zufügen und Panik unter seinen Kunden schüren. Letztendlich agiert der Verbraucher als alleiniger Nutzer und entscheidet selbst, wie er den Mir:ror nutzen möchte.“

Rafi Haladjian, Mitbegründer von Violet

Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, den Mir:ror auf den Markt zu bringen?

Nach der Entwicklung des „Nabaztag Rabbit“ entstand die Idee, ein System zu entwerfen, mit dem eine Verbindung zu jedem nur denkbaren Objekt hergestellt werden kann. Dies warf zahlreiche Fragen auf, beispielsweise „Mit welchen Systemen außer dem Rabbit ist eine Verbindung möglich?“ Die Antwort darauf lautet: „Mit allen“. Der Mir:ror ermöglicht genau das. Er kann RFID-Mikrochips lesen, die an einem beliebigen Objekt angebracht sind, automatisch eine Verbindung mit dem Internet herstellen, relevante Informationen oder Dienste suchen und die Ergebnisse auf dem Computerbildschirm oder über eine bestimmte Entfernung auf einem anderen Server anzeigen.  

Welchen praktischen Nutzen hat das?

Sie können RFID-Mikrochips, auch als sogenannte „Marken“ bezeichnet, an jedem beliebigen gewöhnlichen Objekt anbringen. Damit können Sie selbst entscheiden, welche Aktionen ausgelöst werden. Sie können eine Marke auf Ihrer Kaffeetasse anbringen, über die automatisch Ihr Status in Facebook geändert wird, oder sie auf ein Objekt aufkleben, das daraufhin E-Mails empfangen kann. Auf diese Weise erhalten Sie auf Wunsch weitere Kontextinformationen. Sie können den Mir:ror auch beim Kauf von Gegenständen verwenden, die bereits mit RFID-Mikrochips ausgestattet sind. Wir haben vor etwa einem Jahr ein diesbezügliches Projekt mit dem Kinderbuchverleger Nathan et Gallimard gestartet. Die Kunden haben die Möglichkeit, ein Buch mit RFID-Mikrochip zu kaufen. Sobald der Mir:ror diesen erkennt, wird das Buch laut vorgelesen.

Warum erhielt das Gerät den Namen „Mir:ror“?

Wir gaben dem Gerät den Namen Mir:ror, da es lediglich dazu gedacht ist, Dinge darzustellen und nicht, selbst Dinge zu schaffen. Uns gefiel die Vorstellung eines Spiegels außerdem aufgrund der Einfachheit. Ein Spiegel erfordert keine weiteren Voraussetzungen, um seinen Zweck zu erfüllen. Zum Mir:ror gehören drei RFID-Mikrochip-Marken. Für Marken haben wir uns deshalb entschieden, weil mit ihnen Dinge per Internet versendet werden können - analog zu Briefmarken, die die Beförderung von Dingen auf dem Postweg ermöglichen. Zusätzlich sind auch zwei Mini-Nabaztag Rabbits mit jeweils einem RFID-Mikrochip enthalten, die ganz nach Kundenwunsch programmiert werden können. Beispielsweise kann die Programmierung der Rabbits vorsehen, dass Sie Ihre Freundin über Skype anrufen oder Ihre Lieblings-Playliste bei iTunes geöffnet wird, wenn sie auf dem Mir:ror platziert werden. Die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen. 

Werden die RFID-Mikrochips dazu verwendet, Verbraucher „auszuspionieren“?

Wir glauben, dass es ganz im Interesse des Herstellers und Händlers liegt, eine von Offenheit gekennzeichnete Atmosphäre zwischen sich und dem Verbraucher zu schaffen. Eine sogenannte „Blackbox“ gleich welcher Art kann einem Unternehmen nur Schaden zufügen und Panik unter seinen Kunden schüren. Der Kunde muss sagen: „Ich möchte nicht, dass meine Objekte ohne meine vorherige Zustimmung Informationen an andere senden. Wenn der Mikrochip das doch tut, möchte ich auch darüber informiert werden.“ Letztendlich agiert der Verbraucher als alleiniger Nutzer und entscheidet selbst, wie er den Mir:ror nutzen möchte.

Organisation

Rafi Haladjian ist seit über zwanzig Jahren im schnelllebigen Bereich Konnektivität tätig und gründete 1994 den ersten französischen Anbieter für Internetdienstleistungen FranceNet. Im Jahr 2003 war er Mitbegründer des französischen Unternehmens Violet, das Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwirft, mit denen Objekte kommunizieren und Intelligenz entwickeln können. Violet produziert Nabaztag, den ersten intelligenten, interaktiven „Rabbit“ dieser Welt. Mit dem Mir:ror hat das Unternehmen außerdem das erste verbraucherorientierte RFID-Lesegerät entwickelt.