Lennart Andersson - Projektleiter - Schwedische Transportbehörde

Lennart Andersson - Projektleiter - Schwedische Transportbehörde

Welche Berührungspunkte hat Ihr Unternehmen mit der RFID Technologie?

Die Bahnsektion der schwedischen Transportbehörde führt mehrere Pilotprojekte mit RFID/EPC Tags auf Güterwaggons durch. Wir haben bereits 2007 begonnen mit der RFID Technologie zu arbeiten, im EU Forschungs- und Förderprojekt Freightwise, das Teilnehmer aus 14 verschiedenen Ländern integriert. Der Hauptnutzen des Projektes dient der Unterstützung des kombinierten Verkehrs, des Transportes von Gütern auf unterschiedlichen Beförderungsarten. Mehrere RFID Projekte wurden als ein Teil des Freightwise Projektes begonnen. Das Ziel der Arbeit mit RFID in der Schwedischen Transportbehörde war es, Standards zur Identifikation von Waggons zu entwickeln, welche die Verfolgbarkeit und Sichtbarkeit von Güterwaggons quer durch Europa sicherstellen sollten. Wir hoffen, dass eines Tages alle Güterwaggons in Europa mit Tags ausgestattet sind und auf allen Eisenbahnstrecken kompatible RFID Lesegeräte eingesetzt werden.

Können Sie uns etwas über die Pilotprojekte erzählen, die Sie gerade durchführen?
Unsere Pilotprojekte zeigen bisher hervorragende Leistungen. In einem unserer Projekte wird EPC/RFID für Hochgeschwindigkeitszüge verwendet, die zur Postbeförderung zwischen Stockholm und Göteborg eingesetzt werden. Diese Waggons fahren im Abstand von ca. 4m bei den RFID Lesegeräten, die neben der Schienenstrecke angebracht sind, vorbei. Das Erste, was nun gemacht werden musste, war zu testen, ob es möglich ist, RFID Tags bei dem Abstand und einer Geschwindigkeit von ca. 160 km/h auslesen zu können. Und ich bin hocherfreut es zu sagen - es war in der Tat möglich und es funktionierte perfekt.

Ein weiteres Projekt wird mit einem Unternehmen genannt SCA durchgeführt. Sie wollten riesige Papierrollen verfolgen, die von ihrer Fabrik in Piteå, Schweden in eine kleine Stadt namens Umeå, Schweden transportiert werden. Ein drittes Projekt wird gemeinsam mit Schweden Stahl (SSAB) auch auf den Eisenbahnwaggons durchgeführt. Dabei werden Stahlbrammen von Luleå nach Borlänge transportiert. Bei beiden Projekten sowohl für SCA als auch für SSAB wurde eine Infrastruktur von Lesegeräten auf beiden Seiten der zu benutzenden Schienen aufgebaut. Daten auslesen und Informationen sammeln hat in all diesen Fällen hervorragend funktioniert.

Nun haben wir ein weiteres Projekt am Inlandterminal von Falköping und dem Hafen von Göteborg begonnen. Container werden in Falköping auf RFID getaggte Waggon geladen. Die Waggons werden erstmals südlich von Falköping gelesen, danach außerhalb von Alingsås und zuletzt im Hafen von Göteborg. Das hilft um die Be- und Entladevorgänge wesentlich effizienter zu gestalten.

Wie funktioniert die Datenerfassung und -sammlung?
Zuerst werden EPC/RFID Tags an einigen Waggons der Bahn angebracht. Dann werden EPC/RFID Lesegeräte mit Achsensoren verbunden, die an den Schienen angebracht wurden. Diese Sensoren werden durch vorbeifahrende Waggonräder aktiviert. Sie können sogar mitzählen, wie viele Achsen den Punkt passiert haben und daraus die Anzahl der Waggons berechnen. Es kann auch genau festgestellt werden, wo an dem Zug der jeweilige Waggon mit den erfassten RFID Tags angebracht wurde.

Welche Vorteile bringen diese RFID Lösungen Ihren Kunden?

Mit etwas mehr Entwicklungsarbeit kann dieses System viele Vorteile bringen: 'Just-in-Time' Produktion und Anlieferung von Produkten, was wiederum den Kunden ermöglicht, ihren Bestand zu reduzieren und daraus resultierend Geld zu sparen. Und da dadurch der Transport im Allgemeinen wesentlich effizienter wird, würden die Kosten für Hersteller und Logistikdienstleister sinken. Das wiederum bedeutet weniger Umwelteinflüsse durch Transportunternehmen.

Zugbetreiber und Bahnbehörden erhoffen sich große Vorteile von der RFID/EPC Infrastruktur. Die Lesegeräte werden gemeinsam mit bestehenden Messgeräten platziert, die dazu dienen, Defekte an den Zügen zu finden. Durch die Kombination der Informationen dieser Messgeräte mit den Informationen aus dem EPC/RFID System, können wir exakt feststellen, welcher Waggon schadhaft ist. Das heißt auch, dass die EPC/RFID Lösung für die Wartung der Waggons verwendet werden kann. Bahnbetriebshöfe, die diese Wartungen durchführen sollen, erhalten bessere Informationen. Die Waggons sind in besserem Zustand, und die Abnutzungsaufzeichnungen können so reduziert werden. Die Kosten dadurch sind geringer und es gibt weniger Betriebsstörungen.

Nach solch erfolgreichen Pilotprojekten, wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Die Schwedische Transportbehörde plant das gesamte Schienennetz in Schweden mit EPC/RFID Lesegeräten auszustatten. Wir schätzen, dass wir ungefähr 700 Lesegeräte benötigen, um alle Güterverteilzentren und Rangierbahnhöfe abzudecken. Technische Spezifikationen für die Beschaffung von RFID Ausrüstung werden noch heuer herausgegeben und wir hoffen, dass nächstes Jahr den Roll-out zu beginnen, damit wir 2013 in Betrieb gehen können.

Unsere EPC/RFID Projekte sind die ersten im Bereich der Bahn in Europa, die das Ziel haben, einen Europäischen Standard zu erarbeiten. Wir sind absolut sicher, dass wenn wir die Vorteile in Schweden demonstrieren können, weitere Länder ihr Interesse bekunden werden. Wurde erst einmal die Infrastruktur vollständig entwickelt, wird es möglich sein Waggons und Güter innerhalb Europa zu verfolgen. Das würde bedeuten, dass schwedische Unternehmen, wie zum Beispiel SSAB, die Metall zur Autoherstellung in vielen verschiedenen Fabriken in ganz Europa beliefern, all ihre Güter entlang des gesamten Weges bis zu ihrer Endbestimmung verfolgen können.

Damit unsere Lösung in einem europäischen Kontext entwickelt wird, bauen wir sie auf dem GS1 System von globalen Standards auf. Der EPC von GS1 ist die Grundlage all unserer Arbeit, und unsere lokale GS1 Mitgliedsorganisation in Schweden und alle in Europa werden eine sehr wichtige Rolle spielen.

Wie sieht Ihre Vision für RFID in Zukunft aus?

Wir sehen ein enormes Potential für die RFID Technologie im Transportsektor, da es dadurch für Unternehmen möglich wird, ihren Waren in Echtzeit zu folgen, so wie es heutzutage nicht möglich ist. Waren, die gerade unterwegs sind, werden immer häufiger, auch für die Kunden wird es wichtiger, den Verbleib ihrer Güter in der Transportkette zu wissen. RFID wird dabei sicher eine große Rolle spielen.


Die Schwedischen Transportbehörden arbeiten daran, für jeden zugängliche, qualitativ hochwertige, sichere und umweltbewusste Bahn-, Flug-, See- und Straßentransporte zu erreichen. Sie haben die Gesamtverantwortung zur Bildung von Standards, Regulierungen und stellen sicher, dass sich Behörden, Unternehmen, Organisationen und Bürger daran halten. Benötigen Sie mehr Informationen über ihre Aktivitäten, besuchen Sie: http://www.transportstyrelsen.se/en/

Originalinterview mit der Schwedische Transportbehörde von Mats Wilder. Übersetzung des Interviewmaterials von Alice Mukaru. Eine Version davon erschien bereits im Dezember 2009 im vierteljährlich erscheinenden GS1 Magazin FOKUS.