Elliot Maxwell von PURE

„RFID bietet neue Möglichkeiten zur Reduzierung des Material- und Energieverbrauchs für die Herstellung und den Transport von Gütern sowie bei der erneuten Nutzung, beim Recycling und bei der Entsorgung dieser Güter nach Ablauf Ihrer Nutzungsdauer. RFID kann die Effizienz der Folgebenutzer und Recycler von elektronischen Gütern durch eine Verbesserung der Bestandsverwaltung und Produktnachverfolgung steigern. Dies umfasst unter anderem die Kennzeichnung von Gefahrgut und Materialien, die eine bestimmte Behandlung erfordern, sowie die Identifikation wertvoller Materialien für die Rückgewinnung. Außerdem zählt dazu die Unterstützung bei der Automatisierung von Berichterstellungs- und Überprüfungsprozessen, die für Recycling und Entsorgung gefordert werden. RFID kann auch wertvolle Dienste bei der Entwicklung und Durchführung neuer Anreizsysteme leisten, die ins Leben gerufen werden, um den Materialverbrauch zu reduzieren, die Wiederverwendung bzw. das Recycling von Produkten zu fördern sowie die ordnungsgemäße Entsorgung elektronischer Güter zu unterstützen.“

Elliot Maxwell, Initiator von Project PURE

Welches sind die wichtigsten Ziele von Project PURE und aus welchem Grund wurde dieses Projekt von der Umweltbundesbehörde der USA (Environmental Protection Agency, EPA) ins Leben gerufen?

Project PURE versucht herauszufinden, wie RFID zur Bekämpfung eines wichtigen gesellschaftlichen Problems beitragen kann: dem raschen Anwachsen von Elektroschrott (E-Waste). Es werden immer mehr elektronische Geräte hergestellt und verkauft. Alle Länder dieser Erde sehen sich mit dem Problem konfrontiert, die Umweltbelastung durch Herstellung, Verteilung, Vertrieb und letztendlich auch die Entsorgung von Unterhaltungselektronik wie Computern, Mobiltelefonen und anderen Geräten zu reduzieren. Wir vertreten die Meinung, dass die Kennzeichnung von nachgefragten Produkten in der Versorgungskette oder zum Zeitpunkt der Entsorgung mit zur Effizienz und zur Senkung der Kosten von Betrieben bzw. Personen beiträgt, die diese Produkte weiterhin nutzen, wiederaufbereiten oder recyceln bzw. die darin verwendeten Materialien sammeln oder entsorgen. Natürlich sind wir uns auch darüber im Klaren, dass wir dies erst einmal nachweisen müssen.

Ein Teil der Mission der EPA besteht darin, Müll zu reduzieren und die ordnungsgemäße Behandlung von Gefahrgut zu gewährleisten. Aus diesem Grund hat sich eine Interessengruppe an die EPA gewandt, um finanzielle Unterstützung bei der Forschung auf diesem Gebiet zu beantragen. Die Gruppe umfasste unter anderem einen Computerhersteller, einen Einzelhändler, einen Folgenutzungs- und Wiederaufbereitungsbetrieb, verschiedene Recycling-Unternehmen und einen Anbieter für RFID-Technologie und wurde von EPCglobal unterstützt. Wir erhielten Gelder von der EPA, um innovative Möglichkeiten zum Einsatz von RFID im Umweltschutz zu untersuchen. Unsere Vorschläge zielten auf die Erhöhung der Effizienz und die Senkung der Kosten der Wiederverwendung, Wiederaufbereitung, des Recyclings und der Entsorgung von Elektronik durch Nutzung von RFID-Transpondern ab. Diese dienen der Identifikation in der Lieferkette oder werden dann angebracht, wenn ein elektronisches Produkt in die Endphase eines Lebenszyklus eintritt. Seit diesem Zeitpunkt haben alle Teilnehmer sich engagiert dafür eingesetzt, unser praktisches Verständnis zu diesen Fragen zu erweitern.  

Wie kann RFID zu einer Verbesserung der Entsorgungssituation im Hinblick auf ausrangierte Unterhaltungselektronik beitragen?

Die potenziellen Vorteile von RFID in der Versorgungskette sind allseits bekannt. Bislang wurde den Vorteilen der Verwendung von RFID bei den Prozessen am Produktlebensende von Unterhaltungselektronik jedoch relativ wenig Aufmerksamkeit gezollt.

Am Lebensende eines Produkts trägt RFID zu einer höheren Effektivität von Unternehmen bei, die sich mit der Wiederverwendung, Wiederaufbereitung und dem Recycling von Elektronik beschäftigen. Es kann die Nachverfolgbarkeit von Teilen und die Bestandsverwaltung erheblich vereinfachen. Außerdem kann es bei der Automatisierung der Berichterstellungs- und Überprüfungsprozesse von Nutzen sein, die für das Recycling und die Entsorgung dieser Produkte gefordert werden. Mit RFID können Gefahrengüter und Güter, für die eine besondere Behandlung erforderlich ist, identifiziert werden. Auch wertvolle Materialien können auf diese Weise erkannt und zurückgewonnen werden. Neue Anreizprogramme auf der Grundlage von RFID-Transpondern können zur Wiederverwendung und zum Recycling von elektronischen Gütern angewendet werden.

Was geschieht mit gefährlichen Materialien in den Elektronikprodukten?

RFID kann zur Identifizierung und Nachverfolgung von gefährlichen Materialien in Elektronikprodukten eingesetzt werden. Dies trifft auch auf Materialien zu, für die eine besondere Vorgehensweise wie erhöhte Sicherheit erforderlich ist. RFID gewährleistet die ordnungsgemäße Behandlung und Entsorgung dieser Materialien. Die Identifikation der verschiedenen Bestandteile einer Komponente trägt ebenfalls zu einer Verbesserung der Sicherheit und Effizienz bei der Entsorgung bei.

Eine Deaktivierung der RFID-Transponder beim Verkauf der Produkte stellt ein Hindernis für den Einsatz dieser Technologie zu Recyclingzwecken dar. Wie lautet Ihre diesbezügliche Empfehlung?

Project PURE hat einige Stolpersteine bei der Verwendung von RFID zur Erhöhung der Effizienz am Prokuktlebensende erkannt. Dazu zählt unter anderem die Tatsache, dass es keine durchgehende Kennzeichnung von individuellen Elektronikgütern gibt und ein zeitlicher Abstand zwischen der Anbringung der Transponder und der Aussortierung der gekennzeichneten Produkte für die Wiederverwendung bzw. das Recycling besteht. Ein dringlicheres und aktuelleres Problem ist jedoch die potenzielle Notwendigkeit, alle Transponder von individuellen Produkten wie Computern zum Zeitpunkt des Verkaufs zu deaktivieren, es sei denn, der Kunde ist damit einverstanden, den Transponder aktiviert zu lassen. Diese Notwendigkeit würde mit ziemlicher Sicherheit zu einem drastischen Rückgang der Anzahl der Produkte mit aktivem Transponder führen, die dann tatsächlich zu Wiederverwendungs- und Recyclingzwecken verwendet werden können. Dies trägt natürlich nicht dazu bei, Unternehmen in dieser Branche zu Investitionen in RFID-basierte Systeme zu animieren, und führt zu einem Rückgang der Investitionen in diese Technologie und die Entwicklung wünschenswerter Nutzungsmöglichkeiten nach dem Verkauf der Produkte. Es ist weitaus besser, die Kunden entsprechend aufzuklären und Ihnen die Möglichkeit zu geben, einen Transponder zu entfernen oder zu deaktivieren.

Organisation:

Elliot Maxwell ist leitendes Mitglied des Kommunikationsprogramms der Johns Hopkins University, ehemaliger Sonderberater für digitale Ökonomie des US-Wirtschaftsministers und Initiator von Project PURE. Das Projekt erhielt finanzielle Unterstützung von der Umweltbehörde der USA und wurde in Zusammenarbeit mit EPCglobal gegründet. Elliot Maxwell schlug EPCglobal vor, die Verwendung von RFID zur Ausweitung und Verbesserung des Recyclings von Kommunikationselektronik zu untersuchen.